Varroakonzept

Andermatt BioVet hat ihren Kunden kürzlich ein firmeneigenes Varroakonzept zugestellt. Dies widerspricht in einigen wichtigen Punkten dem Varroakonzept von BGD und ZBF.

Das vom BGD erstellte Varroakonzept basiert auf dem vom ZBF ausführlich getesteten alternativen Varroakonzept und berücksichtigt die neusten wissenschaftlichen Erkenntnisse und praktischen Erfahrungen. Es unterscheidet sich in gewissen Punkten klar von dem von BioVet empfohlenen Vorgehen. BGD und ZBF distanzieren sich klar vom Varroa-Behandlungskonzept von Andermatt BioVet.

Die Empfehlungen von BGD/ZBF haben weiterhin unverändert ihre Gültigkeit. Das Varroakonzept des BGD mit den dazugehörenden praktischen Detailmerkblättern ist unter www.bienen.ch/varroa   für alle Imker jederzeit zugänglich. Es bildet auch das Herzstück des aktuell laufenden Betriebskonzept-Praxistests.

Folgende Empfehlungen von Andermatt BioVet erachten wir als besonders problematisch:

- Frühling – keine Absetzfrist
- Thymovar statt Ameisensäure für die Sommerbehandlung
- MAQS-Behandlung zwischen März und Juni

Frühling – keine Absetzfrist

Da Säuren wasserlöslich sind und ins Futter gelangen können, warnen BGD und ZBF vor dem Aufsetzen von Honigräumen ohne Absetzfrist. Folgende Punkte entsprechen der Tatsache:

  1. Durch die Auffütterung von Jungvölkern wird vorhandenes Futter in die Honigzargen getragen. Dies wiederspricht dem Lebensmittelgesetz, Art. 76 Definition Honig.
  2. Durch das Besprühen der Bienen mit Oxalsäure kann sich die Oxalsäure mit Futter verbinden und beim Umtragen desselben auch in den Honig gelangen.

Vom ZBF durchgeführte Tests zeigen, dass der nach einer Oxalsäurebehandlung im Frühjahr geerntete Honig höhere Oxalsäure-Rückstände aufweist als derjenige von nicht behandelten Völkern.

Thymovar statt Ameisensäure für die Sommerbehandlung

Tierarzneimittel mit Thymol werden von BGD und ZBF nur bei Völkern mit niedriger Varroabelastung (weniger als 5 Varroa/Tag) empfohlen. Die Wirkung bei stark befallenen Völkern ist nicht ausreichend und nicht schnell genug. Da erfahrungsgemäss nur ein kleiner Teil der Imker den Milbentotenfall regelmässig auszählt, kann eine systematische Umstellung der Sommerbehandlungen auf ein Thymol-Produkt nicht empfohlen werden. Die Winterverlust-Umfrage der letzten vier Jahre zeigt bei mit Thymol behandelten Völkern höhere Verluste als bei Völkern, die im Sommer mit Ameisensäure behandelt wurden.

BGD und ZBF empfehlen im Sommer darum auch weiterhin ganz klar zwei Ameisensäure-Behandlungen (mit Formivar oder MAQS). Als Alternative zur ersten Ameisensäure-Behandlung sieht das wissenschaftlich abgestütztes Varroakonzept die Einleitung einer brutfreien Phase (Brutstopp oder Bannwaben-Verfahren) vor. Die zweite Behandlung mit Ameisensäure ist aber in jedem Fall beizubehalten.

MAQS-Behandlung zwischen März und Juni

In der Broschüre «Bienengesundheit 2018» empfiehlt Andermatt BioVet, Völker mit hohem Varroadruck von März bis Juni mit MAQS zu behandeln. BGD und ZBF empfehlen im Mai und Juni aber, eine Notbehandlung durchzuführen (auf Neubau setzen und abschliessend mit Oxalsäure behandeln). Erfahrungsgemäss lassen sich gefährdete Völker nur auf diese Weise retten. Zudem birgt eine Ameisensäure-Behandlung im Frühling die Gefahr von erhöhten Säurerückständen im Honig, was zu nicht verkehrsfähigem Honig führen kann.